TULPEN-LADIK

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Grösse 136 x 125 cm

Technik Gördes halb gestaffelt

Zustand Seiten Originalabschlüsse, kleine antike Reparaturstellen

Qualität Hervorragende Gesamterhaltung für dieses hohe Alter

Literatur H. Jacobi, Eine Sammlung Orientalischer Teppiche. Berlin 1923, Tafel 47 (oberer und unterer Abschnitt sowie

schmale Randbordüre fast identisch).

R. G. Hubel, Ullstein Teppichbuch, 1972, S. 85, Abb. 21 (fast identisches Tulpenmotiv und Randbordüre) Datum 1771.

I Bennett, Teppiche der Welt. (London 1977), München 1982, S. 202 Abb. identischer Teppich 18. Jh.

Ein aussergewöhnlicher Tulpen-Ladik mit fantastischem Design ist dieser Teppich, der aufgrund der charakteristischen Tulpen zu einer klar definierten Gruppe von Teppichen aus Anatolien gehört, die hoch geschätzt sind. Während der Barockzeit war die Tulpe in Europa die wichtigste Blume, die wirtschaftlich enorme Bedeutung hatte und sich zu dem ersten Spekulationsobjekt entwickelte (Tulpenfieber und Tulpen-Crash). Als Lale-devri (Türkisch = Tulpenzeit) ist kunsthistorisch die Zeit unter Sultan Ahmed III (1673-1736) zu verstehen, in der die Tulpe als dekoratives Motiv in vielen Bereichen der Kunst verwendet wurde.

Das hellgrundige Mittelfeld besteht aus naturfarbener Wolle und die Mihrab ist nur noch rudimentär

angedeutet. Der Typus des Gebetsteppichs tritt hinter die intensive ikonographische Gestaltung zurück. Die zwei Säulen haben keine architektonische Funktion mehr, sondern nur noch dekorativen Charakter und für die zwei dominierenden geometrischen Motive fällt eine Interpretation sehr schwer. Im Abschnitt darunter sind fünf typische Tulpen mit ihren langen Stilen dargestellt: zwei dunkelblaue Tulpen, die dezent gegenüber den drei weissen Tulpen auf dem dunkelroten Fonds zurücktreten. Den Abschnitt über den drei Giebeln zieren vier rote Rosetten auf türkisgrünem Hintergrund. Darunter begegnet uns leicht verändert wiederholt das eigentümliche Motiv wie unter den Säulen. Die Symbol- und Formensprache dieser Darstellung zu deuten fällt schwer.

Kehrt man den Teppich einfach um (kopfstehend), dann zeigt sich eine ganz andere Sichtweise. Zu-

unterst sind zwei dämonenartige Masken dargestellt, die noch an die Kämpfe des roten und blauen Drachen erinnern könnten. In der Mitte, dem Zentrum, sind zwei menschliche Figuren stilisiert angedeutet und im oberen Abschnitt wachsen wundervolle Tulpen wie in einem Paradiesgarten aus den hellen Giebeln. Es wird dadurch die dreigeteilte Welt ikonographisch gespiegelt: die Unterwelt mit den Dämonen, die Welt der Menschen und darüber das Paradies. Die breite Mittelbordüre ist besonders charakteristisch durch ihre florale Ornamentik bestehend aus einem Wechselspiel von mehrfarigen Rosetten und zarten Lilien.

Unmittelbare Parallelen für die zwei grossen maskenartigen Motive finden sich bei Jacobi 1923. Auf einem datierten Tulpen-Ladik aus dem Jahr 1771 finden sich identische Darstellungen der fünf Tulpen, die aus drei Giebeln wachsen und die gleiche Randbordüre (Hubel 1972, S. 85, Abb. 21). Bei Bennett 1989 ist ein absolut identisches Vergleichsexemplar aus dem 18. Jahrhundert abgebildet mit der exzeptionellen und in dieser Art sehr seltenen Darstellung des Mittelfeldes. Ein fantastischer Teppich, der die visuelle Fantasie anregt und immer neue Eindrücke vermittelt.

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